{"id":10571,"date":"2024-09-12T10:06:01","date_gmt":"2024-09-12T08:06:01","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/werk\/the-haori-biofilm\/"},"modified":"2024-09-12T10:06:01","modified_gmt":"2024-09-12T08:06:01","slug":"the-haori-biofilm","status":"publish","type":"werk","link":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/werk\/the-haori-biofilm","title":{"rendered":"The Haori Biofilm"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Vivien Roussel ist K\u00fcnstler und Erforscher von biologischen Materialien. Wie Roussel konstatierte: <\/strong><strong><em>\u201eIn den letzten Jahren habe ich das Lebendige als technisches Werkzeug und als Tr\u00e4ger neuer kollektiver Bedeutung erforscht.\u201c<\/em><\/strong><strong> Biotechnologische oder molekularbiologische Methoden wurden dabei zu k\u00fcnstlerischen Werkzeugen. Der K\u00fcnstler entwickelt Biomaterialien in einem Zusammenspiel von Mikroben und Maschinen und \u00fcberdenkt die Agenzien zwischen Lebenden und Nicht-Lebenden im Zeitalter der Biotechnologie und des Anthropoz\u00e4n.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das esc medien kunst labor pr\u00e4sentiert in der Ausstellung <em>Desert of Realities<\/em> das Werk <em>The Haori<\/em> <em>Biofilm<\/em>. Dabei handelt es sich um einen Mantel der aus einem sogenannten Biofilm hergestellt wurde. Biofilme sind Lebensgemeinschaften von Bakterien, Pilzen oder Algen, die sich an Oberfl\u00e4chen anheften und dort aufwachsen. Sie k\u00f6nnen aus Individuen einer einzigen Spezies oder aus Mischpopulationen verschiedener Organismenarten zusammengesetzt sein. <em>The Haori Biofilm<\/em> ist ein Mantel, der aus zahlreichen zarten Schichten bakterieller Zellulose besteht. Dabei ist der Mantel von japanischen Designprinzipien inspiriert und wurde in Zellulose von Essigbakterien gewebt. Das damit plastisch anmutende Werk (\u201eSkulptur\u201c = Abtragen von Material, \u201ePlastik\u201c = Aufbauen von Material) verk\u00f6rpert eine Verschmelzung von handwerklichem Ausdruck und mikrobiologischem Wissen. Wie Roussel feststellte: <em>\u201e<\/em><em>Das Projekt untersucht die symbiotische Beziehung zwischen Mensch und Bakterium und nutzt den Biofilm als Kommunikations- und Regulierungsmedium.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Jacke zeigt die Sch\u00f6nheit und das Potenzial des mikrobiellen Lebens mit modernsten Materialien, verbindet Kunst, Wissenschaft und Tradition in einem tragbaren St\u00fcck und erinnert an die organische Alchemie des mikrobiellen Lebens.\u201d <\/em><strong>\u0301<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Biofilm wird von den Bakterien durch eine komplexe Synthese von Zuckern zu Biopolymeren abgesondert. Biofilm ist in der Regel eine Strategie zur Anpassung von Bakterien an den Aufbau von Gemeinschaften in der Umwelt und zum Schutz vor anderen Organismen, die die gleichen Ressourcen nutzen k\u00f6nnten. Es dient sogar als Medium f\u00fcr die Kommunikation zwischen den Zellen, um sich um die in einem Medium vorhandenen N\u00e4hrstoffe zu organisieren. <\/strong><strong><em>The Haori Biofilm<\/em><\/strong><strong> erforscht poetisch diese Idee der Unterst\u00fctzung. Verhandelt wird damit die Umkehrung unserer menschlichen Sichtweise, in der wir nicht das Zentrum sind, sondern nur die Wirte f\u00fcr die Bakterien und Hefen, die den Planeten beherrschen. Wie Roussel mit dem Projekt fragt: <\/strong><strong><em>\u201cW\u00e4re es also m\u00f6glich, uns auf symbiotische Weise mit den Lebenden und Nicht-Menschen zu synchronisieren, um die Umwelt zu erhalten?\u201d<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>The Haori<\/em> <em>Biofilm<\/em> soll \u00fcber dem Kimono getragen zu werden \u2013 als eine Art Mantel f\u00fcr jeden Tag. Jener Aspekt unterscheidet Roussel von Karle \u2013 Haute Couture versus Alltagsmode. Das fast durchscheinende Textil spielt mit Licht dank einer Oberfl\u00e4che, die durch bakterielle Aktivit\u00e4ten fein strukturiert ist. Licht durchquert seine Oberfl\u00e4che, projiziert \u00e4therische Muster und l\u00e4dt uns ein, mikroskopisch zu erforschen. Das visuelle und haptische Erlebnis wird begleitet von einem leichten Essigaroma, das an den Fermentationsprozess und die Herstellung des Materials erinnert. Dieser Duft erinnert an die organische Alchemie, die den Haori geformt hat, und ist ein Zeugnis des menschlichen Erfindungsreichtums und der angeborenen Sch\u00f6nheit der Natur. Es ist eine Einladung zur Kontemplation, ein Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen Tradition und Innovation, zwischen Mensch und Bakterium.<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":10440,"template":"","meta":{"_acf_changed":true},"class_list":["post-10571","werk","type-werk","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/werk\/10571","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/werk"}],"about":[{"href":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/werk"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10440"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10571"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}