{"id":10580,"date":"2024-09-05T15:46:48","date_gmt":"2024-09-05T13:46:48","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/werk\/game-over\/"},"modified":"2024-09-05T15:46:48","modified_gmt":"2024-09-05T13:46:48","slug":"game-over","status":"publish","type":"werk","link":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/werk\/game-over","title":{"rendered":"GAME OVER"},"content":{"rendered":"\n<p><em>game over <\/em>ist eine interaktive audiovisuelle Installation, in welcher das Publikum dazu eingeladen ist, eine gro\u00dfe 2D-Computerspielwelt zu erforschen und spielerisch mit dieser zu interagieren. Die Installation umspannt mehrere im Raum verteilte Spielstationen; diese bestehen jeweils aus einem Bildschirm, Kopfh\u00f6rer, Game-Controller und einer bequemen Sitzgelegenheit und sollen eine nostalgische Wohnzimmeratmosph\u00e4re evozieren. Die Spieler:innen h\u00f6ren den Klang \u00fcber Kopfh\u00f6rer, die restlichen Besucher:innen \u00fcber kleine Lautsprecher neben dem Bildschirm. Jede Station wird von oben mit einer mehrfarbigen LED-Lampe beleuchtet, welche ihre Farbe dynamisch an das jeweilige Spielgeschehen anpasst und auf bestimmte Game-Events mit hellen Blitzen reagiert, wodurch die Spieler:innen selbst zu einem integralen visuellen Bestandteil der Ausstellung werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die grundlegende \u00e4sthetische Pr\u00e4misse dieser Arbeit ist die Erkenntnis, dass Computerspielumgebungen als eigenst\u00e4ndiges k\u00fcnstlerisches Medium verstanden werden m\u00fcssen und durch ihren ausgesprochen interaktive Charakter ein gro\u00dfes Potential an komplexen \u00e4sthetischen Erfahrungen in sich bergen. In diesem Sinne geh\u00f6rt <em>game over<\/em> weder zur \u201eGame-Art\u201c, welche Computerspiele tendenziell als blo\u00dfes Material betrachtet, noch zu den \u201eArt-Games\u201c, welche \u00fcblicherweise als \u201erichtige\u201c Computerspiel konzipiert und entsprechend auch vermarktet werden. Durch die Vermeidung traditioneller Formen des Gameplays und Storytellings wird aus einer Computerspielumgebung ein offener M\u00f6glichkeitsraum. In <em>game over <\/em>gibt es keinerlei vorgegebene Ziele und damit auch kein Gewinnen oder Verlieren. Die Spieler:innen werden ohne Anleitung oder Vorbereitung \u201ein die Welt geworfen\u201c und m\u00fcssen deren Wesen durch spielerische Interaktion Schritt f\u00fcr Schritt entdecken. Der Sinn des Spiels entsteht im Kopf der Spieler:innen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Spielwelt ist eine Collage aus bekannten 2D-Videospiel-Genres, wie etwa Platformer, Top-Down-Dungeon-Crawler oder Adventure-Games in isometrischem Pseudo-3D. Das oft unvermittelte Nebeneinander dieser sogenannten \u201eSpielmodi\u201c zwingt die Spieler:innen laufend ihre Perspektive zu ver\u00e4ndern. Schlie\u00dflich ist alles, was man auf dem Bildschirm sieht, immer nur eine von vielen m\u00f6glichen Repr\u00e4sentationen derselben zugrundeliegenden mathematischen und logischen Strukturen, welche die ontologische Realit\u00e4t des Spiels ausmachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt zahlreiche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr musikalische Entdeckungen und Interaktion. Alles, was sich ber\u00fchren l\u00e4sst \u2013 Boden, W\u00e4nde, Objekte \u2013, erzeugt Klang. Zudem haben die einzelnen Spielregionen unterschiedliche akustische Eigenschaften. Es gibt zahlreiche Objekte und NPCs (computergesteuerte Charaktere), welche selbstst\u00e4ndig Kl\u00e4nge oder musikalische Sequenzen generieren und mit denen die Spieler:innen in unterschiedlicher Weise interagieren k\u00f6nnen. Die Spieler:innen k\u00f6nnen auch selbst Kl\u00e4nge mithilfe ihres Gamecontrollers erzeugen; manche NPCs sind in der Lage, diese Kl\u00e4nge zu \u201eh\u00f6ren\u201c und entsprechend zu reagieren. All diese Interaktionsm\u00f6glichkeiten zwischen Spieler:innen und Spielobjekten bilden die Grundlage f\u00fcr unvorhergesehene emergente Strukturen klanglicher und visueller Art. Da das Spiel \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum l\u00e4uft, bleiben die individuellen kreativen Entscheidungen der Spieler:innen f\u00fcr eine gewisse Zeit als Artefakte in der Spielwelt bestehen und k\u00f6nnen somit von den nachfolgenden Besucher:innen entdeckt und erfahren werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einzelnen Instanzen des Spiels sind innerhalb eines lokalen Netzwerks mit einem zentralen Game-Server verbunden, alle Spieler:innen befinden sich somit in derselben Welt. Da die Spielstationen r\u00e4umlich voneinander getrennt sind, ist es wahrscheinlich, dass die Spieler:innen zun\u00e4chst nicht erkennen, dass einzelne Charaktere tats\u00e4chlich von anderen Besucher:innen gesteuert werden. Ist diese Erkenntnis einmal erlangt, beginnen die Spieler:innen m\u00f6glicherweise mit ihren Avataren zu kommunizieren oder miteinander Musik zu machen. Kommunikation ist dabei nur mit nonverbalen Mitteln wie Bewegung, Bild oder Klang m\u00f6glich. Als K\u00fcnstler interessieren mich insbesondere Verhaltensmuster und Gruppendynamik innerhalb einer solchen anonymen kollaborativen Umgebung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Version von <em>game over<\/em> entstand im Rahmen des Forschungsprojekts GAPPP am Institut f\u00fcr Elektronische Musik in Graz und wurde vom <em>\u00f6sterreichische Wissenschaftsfond<\/em> finanziert (project number AR364-G24). In den bisherigen Versionen der Installationen waren alle Spielinstanzen voneinander isoliert; ein fr\u00fcher Prototyp der hier pr\u00e4sentierten vernetzten Mehrspieler:innen-Version wurde 2022 bei der International Computer Music Conference in Limerick pr\u00e4sentiert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>game over <\/em>wird auch von zwei Musiker:innen in Form eines Konzerts aufgef\u00fchrt. Dabei werden beide Ansichten der Spielwelt simultan auf einer gro\u00dfen Leinwand in Form eines Split-Screens dargestellt. Die Spieler:innen kontrollieren ihren Avatar mithilfe eines Sensors, wodurch sie frei auf ihren Instrumenten improvisieren k\u00f6nnen, w\u00e4hrend sie mit der Spielumgebung interagieren. Der Klang des Instruments wird in Echtzeit analysiert und in Game-Events \u00fcbersetzt, welche schlie\u00dflich an alle Spielobjekte innerhalb eines bestimmten Radius geschickt werden. Die Objekte k\u00f6nnen auf diese Events wiederum mit ihren eigenen Kl\u00e4ngen, Sequenzen oder Prozessen reagieren, wodurch ein musikalischer Dialog zwischen menschlichen und computergesteuerten Akteur:innen m\u00f6glich wird.<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":10388,"template":"","meta":{"_acf_changed":true},"class_list":["post-10580","werk","type-werk","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/werk\/10580","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/werk"}],"about":[{"href":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/werk"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10388"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neu.esc.mur.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10580"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}